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Viele Tipps für ein langes und gesundes Leben

Das Dialogforum Schwäbische Horizonte holt den Langlebigkeits-Forscher Marcus Lauk nach Roggenburg

Ernährung, Bewegung, ein Lebenssinn und soziale Beziehungen: Das sind für Marcus Lauk wesentliche Pfeiler für ein erfülltes Leben. Foto: KAPPELMEIER Fotografie

Ernährung, Bewegung, ein Lebenssinn und soziale Beziehungen: Das sind für Marcus Lauk wesentliche Pfeiler für ein erfülltes Leben. Und die Chancen stehen dann auch nicht schlecht, dass es ein langes und gesundes werden kann, wenngleich noch andere Einflussgrößen eine Rolle spielen, zum Beispiel genetische Faktoren. 

Lauk muss es wissen: Er gehört zu den führenden Experten der Langlebigkeits-Forschung in Deutschland. Im Festsaal des Klostergasthofs Roggenburg hat er auf Einladung des „Dialogforums Schwäbische Horizonte“ am Donnerstagabend seine Erkenntnisse aus vielen Reisen in die weltweit nur wenigen sogenannten Blue Zones, Beobachtungen und der fortwährenden Beschäftigung mit dem Thema vorgetragen. Zu den bereisten Blue Zones, also jenen Regionen, in denen überdurchschnittlich viele sehr alte und gesunde Menschen leben, gehören Okinawa (Japan), Sardinien (Italien), Ikaria (Griechenland) und Loma Linda (Kalifornien, USA). 

Weniger ist oft mehr, hat Lauk während seiner Aufenthalte dort häufig mitbekommen. Er begleitete in den Blue Zones Menschen wochen- oder gar monatelang. Sein Tipp, der nicht nur für alle rund 120 Anwesende im Saal galt: Man sollte sich kleine, erreichbare Ziele stecken – und Schritt für Schritt Dinge verändern. Dass ein hoher, steiler Berg nicht ohne weiteres überwunden werden könne, sei jedem klar. „In unserem Alltag stolpern wir aber oft genug bereits über Maulwurfshügel“, sagte er. 

Gesundheit entsteht nicht allein im Krankenhaus, sondern auch im täglichen Leben – dort, wo Menschen Verantwortung für sich und andere übernehmen: Mit diesem Gedanken begrüßte Robert Wieland, Vorstand der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, die Gäste. Mit dem Regionalmarketing und der Gesundheitsregion des Landkreises Günzburg bilden die drei Institutionen das Dialogforum, das zum zweiten Mal nach 2025 an die Öffentlichkeit trat; in Roggenburg und damit im Landkreis Neu-Ulm deswegen, weil im hochkarätig besetzten Beirat des Dialogforums die beiden Landkreise betrachtet werden – vor allem im Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung.   

Was Menschen langfristig zu einem gesunden Lebensstil bewegt, erklärte Lauk anhand zweier Begegnungen in Loma Linda: Ein 98 Jahre alter Mann stellte sich Tag für Tag auf sein Surfbrett. Eine 102-Jährige betankte auf einem anderen an die Wand projizierten Bild ihr Auto. Sie war auf dem Weg zu einer 70-jährigen Frau, um ihr ehrenamtlich dabei zu helfen, Ordnung in ihr Leben zu bringen. Lauk ging es bei den hochbetagten und agilen Protagonisten dabei vor allem um ihren Antrieb. Beide Geschichten standen für die Freude am eigenen Tun und das Gefühl, eine Aufgabe zu haben. 

„Traditionelle Lebensmittel, traditionelle Mengen“, lautete der Leitgedanke des Fachmannes zum Thema Ernährung. Aus Okinawa brachte er dafür ein anschauliches Beispiel mit: „Hara Hachi Bu“. Anfangs setzte er den Ausspruch vor dem Essen mit so etwas wie „Guten Appetit“ gleich. Tatsächlich steckt dahinter die Aufforderung, nur so viel zu essen, bis der Magen etwa zu 80 Prozent gefüllt ist. Auch die Bedeutung von Essenspausen sprach er an. 

Was (mangelnde) Bewegung im Alter bewirken kann, zeigte er anhand medizinischer Aufnahmen. Körperliche Aktivität oder Inaktivität wurden anhand eines Vergleichs unterschiedlich ausgeprägter Oberschenkel-Muskulatur veranschaulicht, die eine Kernspintomografie (MRT) erst sichtbar gemacht hatte. Der aktive Senior hatte auch mit gut 70 Jahren ein Grundschema, das einem 40-Jährigen entsprach. Der Altersgenosse des Seniors, der sich nur unzureichend bewegte, wies einen deutlich höheren Körperfettanteil auf, dafür erschreckend wenig Muskulatur. Lauks Botschaft richtete sich auf das tägliche Tun – und darauf, Alltagsbewegung zu einem festen Bestandteil des Lebens zu machen. „Was Menschen regelmäßig tun, hinterlässt langfristig Spuren.“

Ebenso wichtig waren in seinem Vortrag die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen. Unter dem Begriff „Moai“ beschrieb er lebenslange Freundschaften. Als Beispiel nannte er Gemeinschaften in Okinawa, die sich regelmäßig treffen, einander emotional, sozial, aber auch finanziell unterstützen und gemeinsam Probleme bewältigen. Zu wissen, dass jemand zuhört, mitdenkt und im schwierigen Moment da ist, hob Lauk als wertvollen Bestandteil dieser Lebensweise hervor.

Was es für ein langes, gesundes und erfülltes Leben braucht – darüber diskutierten im Anschluss mit dem Langlebigkeits-Experten der Günzburger Landrat Hans Reichhart, Landrätin Eva Treu (Neu-Ulm), der in Günzburg praktizierende Allgemeinarzt und Bundestagsabgeordnete Dr. Stephan Pilsinger, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag ist. Komplettiert wurde die Runde von Chefarzt Dr. Joachim Durner (Innere Medizin und Geriatrie) und Moderator Till Hofmann (beide Kreiskliniken Günzburg-Krumbach).  

Ein Schwerpunkt war die frühzeitige Prävention. Landrätin Treu hob hervor, wie wichtig es sei, Kindern bereits früh Wissen über gesunde Ernährung, regionale und saisonale Lebensmittel sowie gemeinsames Kochen zu vermitteln. Auch Chefarzt Durner betonte, dass Prävention im Kindesalter beginnen müsse. Er unterstrich die Bedeutung regelmäßiger Bewegung, trotz oder gerade wegen gesundheitlicher Einschränkungen, und verwies auf den Einfluss von Umweltfaktoren und Lebensbedingungen auf die Gesundheit. Der Politiker und Arzt Pilsinger machte zudem auf verbreitete Fehlvorstellungen über gesunde Ernährung aufmerksam. Er wünschte sich ein stärkeres Bewusstsein dafür, welche Lebensmittel und Lebensgewohnheiten tatsächlich gesundheitsfördernd sind.

Welche Möglichkeiten haben die Landkreise, damit ältere Menschen gut versorgt sind und weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können? Dieser Frage widmeten sich insbesondere die Kommunalpolitiker. Landrat Reichhart stellte den Wert von Gemeinschaft und persönlichen Begegnungen heraus. Gerade im Alter seien soziale Kontakte und ein lebendiges Miteinander von großer Bedeutung. Seine Neu-Ulmer Amtskollegin verwies in diesem Zusammenhang auf die Quartiersentwicklung: Wohnortnahe Begegnungsmöglichkeiten, nachbarschaftliche Unterstützung und generationenübergreifende Angebote könnten dazu beitragen, soziale Teilhabe zu fördern. Ebenso wichtig sei eine verlässliche, wohnortnahe medizinische und pflegerische Unterstützung, damit ältere Menschen auch bei gesundheitlichen Einschränkungen möglichst lange gut in ihrer Heimat versorgt werden können. Trotz bestehender Herausforderungen zeigte sich Hans Reichhart zuversichtlich, dass medizinischer Fortschritt und neue technische Möglichkeiten Chancen für die Weiterentwicklung der regionalen Gesundheitsversorgung bieten.

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