Teleintensiv-Medizin stärkt die Versorgung in der Region
Am Bildschirm des „Teleintensiv-Turmes“ kann PD Dr. Gregor Kemming sein Gegenüber in Augsburg sehen (anstelle des hier erkennbaren Bildschirmschoners). Außerdem ist das Patientenbett für die Beteiligten mit dem Patienten oder der Patientin sichtbar. Befunde und relevante Aufnahmen werden ebenfalls aufgespielt. Der darauf aufbauende fachliche Austausch dient der Diagnostik und daraus abgeleiteten therapeutischen Schritten. Foto: Kreiskliniken Günzburg-Krumbach
Die Kreiskliniken Günzburg-Krumbach und das Universitätsklinikum Augsburg (UKA) haben ihre Zusammenarbeit in der Intensivmedizin verstärkt. In regelmäßigen teleintensivmedizinischen Visiten beraten sich die Behandlungsteams der Standorte Günzburg und Krumbach mit Fachärzten des UKA. Ziel ist es, bei schweren oder komplexen Krankheitsverläufen die Expertise des Universitätsklinikums in Minutenschnelle direkt an das Patientenbett in Günzburg und Krumbach zu bringen.
Digitale Visiten können den Patienten anstrengende Verlegungsfahrten ersparen
Die digitale Beratung ermöglicht es, Befunde, Laborwerte und Beatmungsparameter trotz der räumlichen Entfernung gemeinsam zu beurteilen sowie diagnostische und therapeutische Optionen im interprofessionellen Austausch zu besprechen. Die Patientin oder der Patient kann dabei per Audio-Video-Verbindung in die Visite einbezogen werden. So erhalten die Teams vor Ort eine zusätzliche intensivmedizinische Einschätzung, ohne dass dafür automatisch eine Verlegung erforderlich ist.
Die planmäßigen Televisiten finden in der Regel einmal pro Woche statt. Bei entsprechendem Beratungsbedarf kann der Austausch auch akut ergänzt werden. Auf Seiten des UKA begleiten Prof. Dr. Philipp Simon, Leiter der Sektion Operative Intensivmedizin, und Oberarzt Dr. Markus Mögerlein die gemeinsamen Fallbesprechungen. Die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am UKA steht unter der Leitung von Prof. Dr. Axel R. Heller. Für die Kreiskliniken zeichnet PD Dr. Gregor Kemming, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin, verantwortlich.
Fachwissen großer Intensivzentren für kleinere Krankenhäuser der Regelversorgung
Die Kreiskliniken mit ihren beiden Standorten Günzburg und Krumbach sind Teil des Tele-Intensivprojekts der Anästhesiologie-Abteilungen der Bayerischen Universitätsklinika (Netzwerk Teleintensivmedizin Bayern, NETIB). Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) will den flächendeckenden Ausbau der Tele-Intensivmedizin in Deutschland erreichen und hat dazu bereits eine Leitlinie verfasst, die einen standardisierten Qualitätsrahmen schafft. Das Fachwissen großer Intensivzentren soll in kleinere Krankenhäuser der Regelversorgung gebracht werden. „Es ist die Fortführung und Erweiterung der jahrzehntelangen sehr guten und freundschaftlichen bilateralen Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am UKA“, erklärt PD Dr. Gregor Kemming.
Die Kooperation verbindet die spezialisierte intensivmedizinische Erfahrung des Universitätsklinikums mit der Versorgung an den beiden Standorten der Kreiskliniken. Neben der Beratung im Einzelfall dienen die Visiten auch dem gemeinsamen Lernen: Behandlungsstandards, Abläufe und Erfahrungen werden regelmäßig besprochen. Damit entsteht ein belastbares fachliches Netzwerk, das die Teams im klinischen Alltag unterstützt.
Prof. Dr. Philipp Simon (UKA) fasst den größten Vorteil der Zusammenarbeit folgendermaßen zusammen: „Teleintensiv-Medizin schafft einen verlässlichen fachlichen Austausch über Klinikgrenzen hinweg. Entscheidend ist, dass spezialisiertes Wissen dort verfügbar wird, wo es gebraucht wird, und die Behandlungsteams vor Ort gezielt unterstützt. Damit stärken wir gemeinsam die intensivmedizinische Versorgung in der gesamten Region.“