Starker Doppelpass von Leistungssport und Medizin
Freuen sich über die Kooperation: Martin Frey, Chef der Günzburger Handballabteilung (links) und Klinikvorstand Robert Wieland. Foto: Till Hofmann/Kreiskliniken Günzburg-Krumbach
Die Botschaft, die demnächst auch auf einem XXL-Banner in der Günzburger Rebayhalle zu lesen sein wird, ist unübersehbar: „Vier Partner. Ein Ziel. Fitte Spieler und starke Leistungen.“ Die Partner sind die Handballabteilung des VfL Günzburg, die Kreiskliniken Günzburg-Krumbach mit dem Cardiozentrum Günzburg und die Kinderpraxis Herzenssache aus Krumbach. Im Oktober haben sich rund 40 Handballspieler, die dem Regionalliga-Team der Männer (höchste bayerische Spielklasse) und der B-Jugend-Bundesliga angehören, an zwei Samstagen einer umfangreichen sportmedizinischen Untersuchung unterzogen.
Bereits um 9 Uhr herrschte im Cardiozentrum an diesen Tagen Hochbetrieb: Der Ärztliche Direktor sowie Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin, PD Dr. Gregor Kemming, teilte sich die Aufgaben mit dem verantwortlichen Sportmediziner und Chefarzt Dr. Manfred Herr (Orthopädie und Unfallchirurgie) von den Kreiskliniken, mit Kinderarzt Dr. Stephan Schwarz (Kinderkardiologie) sowie den Kardiologen Dr. Jürgen Hug (Ärztlicher Leiter Cardiozentrum) und Anja Beutel (ebenfalls Cardiozentrum Günzburg). Zusätzlich waren mehrere Medizinische Fachangestellte im Einsatz und Expertinnen des Kliniklabors, die die Blutproben der Sportler ebenso gründlich wie schnell analysierten; ein ganzes Team also mit unterschiedlichen Aufgaben – wie im Mannschaftssport eben.
Dr. Kemming bringt auf den Punkt, warum es diese Kooperation gibt: „Gesundheit gemeinsam gestalten: Das heißt heute, nicht nur verletzte oder erkrankte Menschen ambulant oder stationär zu versorgen. Vielmehr bedeutet es, auch Prävention zu betreiben. Und genau an diesem Punkt beginnt die Zusammenarbeit mit den Handballern des VfL Günzburg. Im Leistungssport müssen die Protagonisten an Grenzen gehen. Es gilt, dass dabei nichts passiert. Dafür testen wir.“
Die Athleten wurden speziell nach ihrem sportlichen Aufwand, den sie betreiben, befragt und nach Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen in der Vergangenheit (Anamnese). Bei einer körperlichen Untersuchung stand der Bewegungsapparat mit den stark beanspruchten Armen und Beinen im Mittelpunkt – Sehnen, Bänder, Muskeln inklusive. Mehr als ein Dutzend Blutwerte sind analysiert worden. Um die Funktion des Herzens nachzuzeichnen und die Blutflüsse sichtbar zu machen, wurde Ultraschall eingesetzt. Ein Ruhe-EKG rundete den sportmedizinischen Check, der orthopädisch-chirurgische wie auch internistisch-allgemeinmedizinische Aspekte berücksichtigte, ab.
Allerdings nicht bei allen Testpersonen. Die Jugendlichen, die sich sportlich in der Bundesliga betätigen, durften zusätzlich zum Pflichtprogramm des Deutschen Handball-Bundes auch noch während eines Belastungs-EKGs kräftig in die Pedale treten. Herzströme und Vitalparameter (zum Beispiel Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung) wurden dabei fortlaufend aufgezeichnet – und das bei einem Widerstand, der alle zwei Minuten um 50 Watt erhöht wurde. Die Anstrengung war den jungen Sportlern nach einigen Minuten anzusehen. Aber das sei es wert gewesen: „Ich fand es interessant, zu erfahren, wie belastbar der Körper ist“, sagt Lennox Stocker, der in der B-Jugend-Bundesliga bei den Günzburgern im Rückraum spielt. Sein Teamkollege David Cremer fand den Aufenthalt im Cardiozentrum „sehr, sehr gut. Man hat viele Einblicke bekommen, die man normalerweise nicht hat. Dafür bin ich dankbar.“
Ähnlich fällt das Resümee der Regionalliga-Handballer aus. „Wenn wir fünf- oder sechsmal die Woche trainieren, dann ist das wirklich eine gute Idee“, sagt Teamkapitän Daniel Jäger und bedankt sich für die „Möglichkeit, die wir hier haben“.
Um den Fitnesszustand hoch motivierter Athleten macht sich Sportmediziner Dr. Herr dabei weniger Gedanken. Das habe alles gepasst. Deshalb gehe es eher darum, zu schauen: „Gibt es Überlastungsschäden? Oder habe ich jemanden, der eine Verletzung hat, den ich wieder zielgenau in den Sport zurückbringen möchte und dann auch letzten Endes in den Wettkampf?“
Der Wille zur sportlichen Höchstleistung und sich darauf entsprechend vorzubereiten, nötigt dem Kardiologen Dr. Hug, der sich mit Hilfe des Ultraschalls das Herz genau angesehen hat, „wirklich großen Respekt“ ab.
Froh um die neue Zusammenarbeit ist Handball-Chef Martin Frey: „Es liegt uns am Herzen, gesunde und fitte Spieler zu haben.“ Hier werde der medizinische Nachweis dafür erbracht. Cheftrainer Stephan Hofmeister, den die effiziente Organisation beeindruckte, sieht in den Untersuchungen eine „wichtige gesundheitliche Absicherung“. Dass das Zusammenspiel mit den Kreiskliniken in der Handball-Hochburg Günzburg so gut klappe, sei wunderbar.
Gerne unterstützen die Krankenhäuser und weitere Partner „einen Verein, der in der Bundesliga vertreten ist und der Leistungs- und Breitensport in idealer Weise verbindet. Als sportliche Botschafter wirken die Handballer im Landkreis Günzburg selbst und weit darüber hinaus“, bekräftigt Klinikvorstand Robert Wieland. Er machte sich kürzlich von den Untersuchungen selbst ein Bild.