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„Ihr habt die Welt um Euch herum ein bisschen besser gemacht“

„Kids make the heart beat“ ist ein landkreisweites Bündnis, an dem die Kreiskliniken Günzburg-Krumbach maßgeblich beteiligt sind. Initiator PD Dr. Gregor Kemming macht sich als Ärztlicher Direktor der Kreiskliniken (und zugleich Chefarzt des BRK-Kreisverbandes Günzburg) dafür stark – ebenso die stellvertretende Vorständin Angela Mändle, die auch eine der beiden Vorstands-Stellvertreterinnen beim BRK im Landkreis Günzburg ist. Der Dritte im Bunde ist Dr. Björn Tauchmann, Leiter der Akut- und Notfallmedizin in den Kreiskliniken. Gemeinsam haben sie die landkreisweite „Druck-Challenge“ am vergangenen Freitag an Schulen im Landkreis Günzburg unterstützt. Lesen Sie hier mehr.

So sah der Übungsaufbau in der Mittelschule Thannhausen aus.

Die letzten Stunden in der vergangenen Schulwoche waren für die Hälfte der weiterführenden Schulen im Landkreis Günzburg besondere: Denn es wurde in ausgewählten Klassen nicht Deutsch, Mathe oder Englisch unterrichtet. In der fünften und sechsten Schulstunde war „Leben retten“ angesagt. 680 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 33 Klassen nahmen an der erstmals landkreisweit angebotenen Druck-Challenge teil. Fast ein Drittel davon (zwölf Klassen) waren allein in der Mittelschule Thannhausen im Einsatz. „Das sind doch Hammer-Zahlen. Ich bin total begeistert“, sagt Schulamtsdirektor Thomas Schulze, der das Drücken organisiert und alle 20 weiterführenden Schulen im Landkreis Günzburg dazu eingeladen hatte.

Trainiert wurde die Herzdruckmassage an sogenannten Phantomen (Torsos von Übungspuppen). Über dem Brustbein muss dabei der Oberkörper der angenommenen Person, die einen plötzlichen Herzstillstand erlitten hat, mit den Handballen fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt werden. Und das zwischen 100- und 120-mal in der Minute. Es kommt aber nicht nur auf die richtige Frequenz an, sondern auch darauf, dass ohne Pause versucht wird, das Herz zu aktivieren. Gedrückt wurde im Landkreis – hochgerechnet auf die zur Verfügung stehenden Phantome und die zu bewältigenden 30 Minuten – 120.000 Mal.  

Kinder und Jugendliche als Multiplikatoren gewinnen, um das Wissen über die Herzdruckmassage im Kreis Günzburg zu verbreiten und als etwas Selbstverständliches zu etablieren – das ist das erklärte Ziel des landkreisweiten Zusammenschlusses „Kids make the heart beat“. Der Ärztliche Direktor der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, Dr. Gregor Kemming, beurteilt die Schulaktion mit einem Wort: „Fantastisch.“ Ihn habe es glücklich gemacht, mitanzusehen, was die Mädchen und Buben ab den fünften Klassen am vergangenen Freitag geleistet hätten, erklärt er und fährt fort: „Ich war ganz bewusst im Dossenberger-Gymnasium in Günzburg. Hier hat sich ein Kreis für mich geschlossen. 2016 haben Lehrer Michael Baum, der heutige Pflegedienstleiter in der Klinik Günzburg, Christoph Knab, und ich Schulsanitäter in Erster Hilfe und Wiederbelebung erstmals geschult. Das hat sich wunderbar entwickelt“, sagt der langjährige Intensivmediziner und Notarzt, der vor etwa einem Jahr die Initiative zu „Kids make the heart beat“ ergriffen hat. Über ein halbes Dutzend Organisationen und Einzelpersonen haben sich in diesem Bündnis zusammengeschlossen. 

Vor dem großen Drücken sagt Kemming den rund 850 Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums über das Mikrofon des Schulsekretariats, warum diese Kenntnisse so wichtig sind: Nur eine von etwa zehn Personen überlebt einen plötzlichen Herzstillstand in Deutschland. Die Quote, ist der Chefarzt überzeugt, könnte deutlich erhöht werden, wenn Ersthelfer vor dem Eintreffen der Profis die entsprechende Vorarbeit leisteten. „Ihr macht den Unterschied“, sagt er weiter und appelliert: „Bitte helft uns! Nicht nur die Teilnehmer an der Challenge heute, sondern ihr alle. Für die Menschen im Landkreis.“ 

Dr. Björn Tauchmann, der die Akut- und Notfallmedizin an den Kreiskliniken ärztlich leitet, sekundiert: Letzen Endes können die drei Schritte prüfen (ob die Person bewusstlos ist), rufen (die Leitstelle unter der 112 und dann auf Anweisungen achten) und drücken (die erwähnten 100 bis 120 Kompressionen pro Minute) und im Idealfall noch den Defibrillator einsetzen „in dieser Überbrückungszeit von bis zu 15 Minuten den Kreislauf der Menschen unterstützen, Gehirnzellen schützen und Überleben sichern“. 

Und wie haben es die Schülerinnen und Schüler empfunden, die gedrückt haben? Am häufigsten waren am Freitag Sätze zu hören wie: „Am Anfang war das leicht, aber mit der Zeit ist es anstrengend geworden.“ Oder: „Gut, dass wir das gemacht haben.“ Und die zehnjährige Liljana, die eine fünfte Klasse in der Mittelschule Leipheim besucht, bilanziert: „Es hat mir Spaß gemacht, weil ich stolz darauf war, dass ich es geschafft hab.“ 

Das bestätigt Mittelschullehrer Roland Grimm, Leiter des Sanitätsdienstes in Leipheim und eine der treibenden Kräfte von „Kids make the heart beat“: „Auch wenn die Herzdruckmassage körperlich anstrengend war, haben die Schülerinnen und Schüler nicht nachgelassen und wichtige Erfahrungen gesammelt. Ich bin überzeugt, dass sie jetzt wissen, worauf es im Notfall ankommt, und sich zutrauen, selbst aktiv zu werden. Genau das wollten wir mit unserem Aktionstag erreichen: Mut machen und zeigen, dass alle von uns Leben retten können.“ Der Leipheimer Mittelschulrektor Stephan Sendler sieht es genauso: „Ich finde das Signal an die Kinder wichtig, dass sie sehen, dass man auch in so jungen Jahren entscheidend helfen kann.“

An diejenigen, die am Freitag im Dossenberger-Gymnasium gedrückt haben, gibt Dr. Kemming folgende Botschaft mit auf den Weg: „Dass Ihr Menschen in höchster Not nicht einfach liegenlassen wollt, dass Ihr nicht gleichgültig sein wollt, sondern füreinander einsteht, dafür habt Ihr Euch heute entschieden. Seid stolz auf Euch! Ihr habt die Welt um Euch herum für die Menschen hier ein bisschen besser gemacht.“            

Folgende Schulen im Landkreis Günzburg haben sich an der Druck-Challenge 2026 beteiligt:

Mittelschule Burgau, Mittelschule Leipheim, Mittelschule Offingen, Mittelschule Jettingen, Mittelschule Krumbach, Mittelschule Wasserburg, Mittelschule Thannhausen, Mittelschule Ichenhausen, Dominikus-Zimmermann-Realschule Günzburg, Dossenberger-Gymnasium Günzburg.  

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