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In Krumbach entsteht ein überregionales Kompetenznetz für die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung

Wie sich die Gründungsmitglieder einbringen – und wie es weitergehen soll

Die Gründungsmitglieder des neuen Kompetenznetzes InkluMed engagieren sich für eine passgenaue medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung.

Menschen mit mehrfachen oder komplexen Behinderungen haben Anspruch auf eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung, die aktuell nur unzureichend gewährleistet ist. Aus dieser Erkenntnis heraus haben sich das Dominikus-Ringeisen-Werk und die Kreiskliniken Günzburg-Krumbach auf den Weg gemacht, diese Patientinnen und Patienten künftig ganz auf ihre individuellen Bedürfnisse bezogen zu behandeln – an den beiden Standorten Ursberg (psychiatrisch) und Krumbach (somatisch). Dafür sind spezialisierte medizinische, pflegerische und therapeutische Kompetenzen und Erfahrung nötig. 

Ein überaus wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Gründung des Kompetenznetzes „InkluMed – Medizin für Menschen mit mehrfacher oder komplexer Behinderung“, die am Montag, 23. Februar, in der Klinik Krumbach erfolgt ist. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Akteurinnen und Akteuren, die sich mit ihrer ausgewiesenen Expertise Hand in Hand bei der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderung engagieren und die medizinische Versorgung gestalten. 

Ein Projekt mit überregionaler Bedeutung 
Dies ist der Aufbruch eines Zusammenschlusses von Partnern, die es organisieren, Menschen mit Behinderung – egal, wo sie wohnen – die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Das Kompetenznetz ist dabei stets griffbereit. Mindestens bayernweit soll damit ein spezialisiertes Angebot nachhaltig organisiert werden.      

Bei vielen der Mitglieder sind in der Vorbereitung auf die Gründung sprichwörtlich die offenen Türen eingerannt worden, denn die Beteiligten wissen um die Bedeutung dieses Netzwerks, das als Arbeits- und Austauschplattform dienen soll; und das sich vor allem als starke Stimme für einen Personenkreis positioniert, der mit seinen Anliegen, Bedürfnissen und Bedarfen zu häufig überhört und übersehen wird. 

Ein Netz für etwas „wirklich Großes und Gutes“ 
„Wir haben viel Rückenwind erfahren dürfen“, sagt die stellvertretende Klinikvorständin Angela Mändle, die mit Chefarzt Dr. Joachim Durner das Kompetenznetz leiten wird. Sie spielt mit diesem Bild auf die Partnerinnen und Partner an, die ihr Fachwissen und ihre Kontakte in dem Netz bündeln für etwas „wirklich Großes und Gutes“ (Mändle). 

Aus dem politischen Bereich unterstützen Günzburgs Landrat Dr. Hans Reichhart sowie die Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek (früherer bayerischer Gesundheitsminister), Jenny Schack und Carolina Trautner (frühere bayerische Sozialministerin), die sich zusätzlich als Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern quasi „doppelt“ einbringen wird. 

Partnereinrichtungen und Verbündete
Neben der Lebenshilfe sind als Partnereinrichtungen und Verbände das Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW; vertreten durch den Geistlichen Direktor und Vorsitzenden des Stiftungsvorstands, Martin Riß) und die Regens-Wagner Stiftung Dillingen (Geistlicher Direktor und Vorsitzender des Stiftungsvorstands, Rainer Remmele) dabei. 

Zu den medizinischen Partnern und Experten gehören die Universitätsmedizin Augsburg vertreten durch das Universitätsklinikum Augsburg (Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Klaus Markstaller) und dem Lehrstuhl für die Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung und Teilhabebeschränkungen an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg (Prof. Dr. Birgit Prodinger), das DRW mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (Wolfgang Tyrychter und Willibald Lunzner), das Therapiezentrum (MZEB) Burgau (Geschäftsführer Stefan Graf), die Bezirkskliniken Schwaben (Vorstandsvorsitzender Stefan Brunhuber), der Bayerische Hausärztinnen- und Hausärzteverband (Dr. Ute Schaaf) und Dr. Andreas Weidmann, Neurologe und langjähriger Ärztlicher Leiter einer spezialisierten stationären Abteilung für junge Erwachsene mit neuropädiatrischen Erkrankungen und mehrfachen oder komplexen Behinderungen.

Interdisziplinärer Charakter  
Die Kreiskliniken Günzburg-Krumbach schließlich unterstreichen den interdisziplinären Charakter des spezialisierten medizinischen Angebots. Neben Kompetenznetzleiter Dr. Durner unterschreibt der Ärztliche Direktor PD Dr. Gregor Kemming die Gründungsurkunde. Er macht dies stellvertretend für weitere elf Chefärztinnen und Chefärzte sowie den Leiter der Akut- und Notfallmedizin. 

Den Ehrenvorsitz über dieses Netzwerk übernimmt der frühere Bundesfinanzminister und CSU-Ehrenvorsitzende, Dr. Theo Waigel, der sich seit Jahrzehnten für das Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg und für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzt.

Robert Wieland, der Vorstand der Kreiskliniken, findet es „fantastisch“, dass so viele Institutionen und Einrichtungen mit ihrem profunden Wissen im medizinischen, therapeutischen und sozialen Bereich dieses „einzigartige Leuchtturmprojekt“ zum Erfolg führen wollen. 

Warum Landrat Hans Reichhart stolz ist 
„Die Gründung des Kompetenznetzes ,InkluMed' ist ein entscheidender Schritt, um die medizinische Versorgung von Menschen mit mehrfachen oder komplexen Behinderungen in unserer Region nachhaltig zu verbessern“, sagt Landrat Reichhart und führt fort: „Ich bin stolz darauf, dass wir im Landkreis Günzburg eine Vorreiterrolle einnehmen und damit ein Zeichen für Inklusion und medizinische Chancengleichheit setzen."

Das Kompetenznetz ist nun gegründet. Das spezialisierte Versorgungsangebot ist jedoch noch nicht in trockenen Tüchern. Momentan befinde man sich in Verhandlungen mit den Kostenträgern in einem konstruktiven Dialog, um eine nachhaltige Finanzierung dieses Versorgungsangebotes sicher zu stellen, räumt Wieland ein. Guten Ergebnissen und Perspektiven werde sich aber niemand verschließen, ist sich der Klinikvorstand sicher. 

Prof. Dr. Birgit Prodinger sieht eine ganzheitliche und multiprofessionelle Versorgungsmöglichkeit
„Durch spezialisierte Angebote können die sich über die Lebensspanne hinweg verändernden Bedarfe einer Person mit komplexen Beeinträchtigungen optimal versorgt werden – präventiv, kurativ, rehabilitativ und palliativ. Eine multiprofessionelle, interdisziplinäre und ganzheitliche Versorgung, in der die Ressourcen von Menschen mit Behinderungen und ihre Teilhabe stets berücksichtigt und gefördert werden, ist hierfür grundlegend. Diese spezialisierten Angebote verstehen sich dabei als komplementäre Versorgungs- und Kompetenzstruktur im Rahmen einer für die Bedarfe von Menschen mit Behinderungen sensibilisierten Regelversorgung“, erläutert Prodinger.

In Deutschland gebe es einen eklatanten Mangel an einer adäquaten Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderung, wie neue Erhebungen zeigten. Das soll sich in einem Teil der Republik mit der Gründung einer spezialisierten Station in der Klinik Krumbach ändern. „ISI“ wird sie bereits genannt, das steht für „Interdisziplinäre Somatische Inklusionsmedizin“. Pläne, eine Station umzubauen, gibt es schon – und die Vorbereitung auf das Antragsverfahren läuft. Zudem ist eine Projektgruppe eingesetzt, die Konzepte für verschiedene Themen erarbeitet hat. 

Der zweite von drei Schritten 
Die Absicht, Menschen mit Behinderung bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, ist im vergangenen Jahr öffentlich geworden. Überaus positiv muss dabei die räumliche Nähe zwischen den beiden Hauptorten Ursberg und Krumbach betrachtet werden. Der zweite elementare Schritt ist nun die Gründung des Kompetenznetzes InkluMed. Und mit dem Beginn des kommenden Jahres soll dann, so der ehrgeizige Zeitplan, die Station fertig sein für die koordinierte Aufnahme der ersten Patientinnen und Patienten. 

Der „Leuchtturmeffekt“ des Projekts würde dann nicht nur über Krumbach und den Landkreis hinausreichen. Die Krumbacher und Ursberger Inklusionsmedizin betrifft ganz Bayern, ja Süddeutschland. Dessen sind sich Wieland, Mändle und Durner sicher. Der Spezialist auf dem Feld der Inneren Medizin, Neurologie und der Geriatrie sagt: „Ein solches Projekt ist dringend erforderlich. Unter den wirtschaftlich bedeutenden Industrienationen in der EU fällt Deutschland leider negativ auf, weil es nur geringe bis gar keine Strukturen gibt. Wir sind mit einer adäquaten gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Handicap viele, viele Jahre zu spät dran. Die gute Nachricht lautet: Wir können das nun korrigieren, wenn wir wollen.“   

Sie alle verfolgen dasselbe Interesse
Alle Partnerinnen und Partner des Kompetenznetzes verfolgen dasselbe Interesse – nämlich eine spezialisierte und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung für Menschen mit mehrfachen oder komplexen Behinderungen nachhaltig zu sichern und umzusetzen. Hierfür soll in Krumbach ab dem Jahr 2027 ein spezielles Zentrum rund um den akuten Krankenhausaufenthalt mit dem Blick auf die zu versorgenden Menschen und mit spezialisierten Angeboten entstehen.                                       

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