Eine Heimatklinik zum Anfassen
Die Beteiligten der Klinik Krumbach haben sich vor dem Gesundheitstag zur Organisationsbesprechung getroffen und an die Gäste nonverbal gleich eine Botschaft gesendet: Herzlich willkommen! Foto: Angela Mändle/Kreiskliniken Günzburg-Krumbach
„Die Heimatklinik bewegt“, war der Gesundheitstag der Klinik Krumbach am vergangenen Sonntag überschrieben. Und um alles zu erleben, was an diesem Nachmittag zwischen 13 und 17 Uhr geboten wurde, mussten sich die Besucherinnen und Besucher ordentlich bewegen zwischen Erdgeschoss und den oberen Etagen des Krankenhauses.
Zwei ältere Frauen, die sich viele Jahre nicht gesehen hatten, hat der Gesundheitstag im Krankenhaus zufälligerweise zusammengeführt. Noch lange nach dem Ende der Veranstaltung saßen sie bei bestem Spätsommerwetter im Freien auf einer Bank vor dem angeschlossenen Praxiszentrum und hatten sich eine Unmenge zu erzählen. Für beide ein schöner und bewegender Augenblick.
Und schließlich bewegt auch die Klinik derzeit ziemlich viel – vor allem die neue Station, die bis Frühjahr 2027 entsteht. Sie ist gedacht für Menschen mit komplexen oder mehrfachen Behinderungen, die wegen zusätzlicher akuter körperlicher Erkrankungen behandelt werden müssen.
Die gesamte Klinik bereitet sich darauf vor. Hinter einer Staubschutzwand laufen gerade die Abbrucharbeiten des alten Traktes. Dann wächst die sogenannte ISI-Station Zug um Zug. Die drei Buchstaben sind die Abkürzung für Interdisziplinäre Somatische Inklusionsmedizin. Daran lässt sich beispielsweise erkennen, dass viele medizinische Fachrichtungen zusammenwirken, um dieser Bevölkerungsgruppe medizinisch gerecht zu werden. Chefarzt Dr. Joachim Durner brachte Interessierten in einem von zwei Vorträgen, die er hielt, einige Hintergründe der Behindertenmedizin näher.
Auf Trab hält die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so einiges in der Klinik Krumbach: Neu ist beispielsweise das internistische Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Erdgeschoss des Krankenhauses. Neben dem chirurgischen MVZ gibt es damit zwei ambulante Versorgungszentren in einer Klinik. Viele Kinder lockte das MVZ der Internisten an. Denn dort wurden nicht nur die Räumlichkeiten gezeigt. Für die Mädchen und Buben hat eigens eine Teddy-Ambulanz aufgemacht.
Und schräg gegenüber war das Kinderschminken überaus gefragt: Zwischen Prinzessin und Spiderman war alles möglich. „Uns hat’s super gefallen“ bilanziert Ilka Strobel, die mit ihren drei Kindern Maxi, Benedikt und Maresa gekommen war. „Vielen Dank für die Möglichkeit, das Krankenhaus so zu erleben. Gerade für die Kinder war es ein tolles Erlebnis, sie haben jetzt wieder mehr Erfahrung und Wissen im Gepäck. Es ist schön, dass es ein Krankenhaus direkt in Krumbach gibt.“
Immer der Nase nach ging es am Sonntagnachmittag für viele Besucherinnen und Besucher bis unters Dach in den 4. Stock. Von dort aus verbreitete sich der Duft frischen Popcorns. Und nebenan trug Chefarzt Dr. Manfred Herr (Unfallchirurgie und Orthopädie) seine Überlegungen zu einer „personalisierten Medizin am Beispiel moderner Endoprothetik“ vor: Ein informativ-süßer Pakt, der da hoch oben in der Klinik geschlossen wurde.
Ein Blick in die Kurzzeitpflege war am Gesundheitstag der Klinik für die geschätzten 450 Gäste ebenso möglich, wie am Mitmachprogramm der neuen Therapiewelt teilzunehmen. Wenige Schritte in einem angelegten Altersanzug haben beispielsweise simuliert, dass alt werden nichts für Feiglinge ist. Unter der Anleitung des Chefs der Akut- und Notfallmedizin in den Kreiskliniken konnten Interessierte üben, wie Herzdruckmassage an einem speziellen Puppentorso und wie das Anlegen eines Defibrillators funktionieren. „Man muss sich vor Augen führen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland sind. Sie machen rund ein Drittel aus. Deshalb ist eine Überlebenskette so wichtig, die mit Laien beginnt bis die professionellen Helfer eintreffen“, sagt Dr. Björn Tauchmann.
Infostände des Klinikfördervereins, des örtlichen Hospizvereins, der Praxisanleitung (für die Messung der Vitalparameter und für ein „Organquiz“) sowie die Möglichkeit, die seit einem Jahr bestehende Komfortstation der Klinik zu besichtigen und präventive Übungen für verschiedene Körperregionen kennenzulernen (Scharpf Therapie und Training) komplettierten das Angebot.
Die 79 Jahre alte Lena Schuster erinnert sich noch an ihren Klinikaufenthalt in Krumbach vor einigen Wochen zurück. „Die Pflegekräfte, das Essen aus der Klinikküche – alles war wunderbar“, beurteilt sie. Aber noch schöner sei es, heute hier als Besucherin unterwegs zu sein und nicht als Patientin.
Dann war für die Seniorin vielleicht die Klinikkapelle der richtige Kraftort. In der Kapelle hatte Klinikseelsorgerin Monika Graf-Zanker das Thema „Dankbarkeit“ vorbereitet und ausgebreitet – mit Texten und Musik. In einem Text heißt es: „Wer dankbar ist, ist auch glücklicher als andere. Er weiß, dass er unentwegt viel mehr empfängt, als er je zurückgeben kann. (…) Allein die Wahrnehmung dieser tausendfach gewährten Unterstützung macht mich reich, froh und dankbar.“