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Die kleine Maus stellt große Fragen

Dr. Sabine Hofmann schreibt seit über 20 Jahren Kinderbücher, die sie auch noch selbst illustriert. Ein einohriger Teddybär nimmt neben der Maus eine Hauptrolle in den Abenteuern ein

Die kleine Maus auf dem Buchcover hat keine Lust in einem zugemüllten Wald zu leben. Deshalb gewinnt sie weitere Tiere, ihren Wald von dem Abfall, der von Menschen verursacht worden ist, zu befreien. / Foto: Till Hofmann, Kreiskliniken Günzburg-Krumbach; Zeichnung: Sabine Hofmann

Teddy B. hat mal wieder nicht richtig hingehört und zieht falsche Schlüsse. „Alt und schäbig.“ Diese drei Worte hat er aufgeschnappt und ist danach sehr traurig geworden. Wollte „Teddymama“ Lisa ihn kurz vor Weihnachten ausmustern und durch einen neuen Teddybären ersetzen? Und ja: Der Nachbarshund hat ihn ab und an ins Maul genommen und mit ihm gespielt, was nicht spurlos an Teddy B. vorübergegangen ist. Lisa selbst hat ihren Teddy B. fast nie aus der Hand gegeben und ihm - als sie noch kleiner war - ein Bärenohr abgenuckelt. Genäht werden musste er mehrere Male. Und sein Fell hat ihm auch nicht mehr so gefallen, nachdem er den Schleudergang in der Waschmaschine mitgemacht hatte. 

Alt und schäbig! Es war offenbar die Zeit gekommen, die Koffer zu packen und auszuziehen. Ein herzloser Abschied. Aber so weit ist es glücklicherweise nicht gekommen. Denn wie sich herausstellte, war mit dem Wort „alt“ und dem Wort „schäbig“ die Kleidung des Bären gemeint. Zu Weihnachten sollte Lisas innig geliebter Teddy B. Neues zum Anziehen bekommen. Alles nur ein großes Missverständnis also.

Als Viszeralchirurgin steht die Autorin beinahe täglich im OP-Saal  

Das ist die erste Geschichte von Teddy B., die sich Dr. Sabine Hofmann vor über 20 Jahren ausgedacht und geschrieben hat. Und nicht nur das. Mit viel Liebe zum Detail illustriert die Viszeralchirurgin, die beinahe täglich in der Kreisklinik Günzburg im OP steht und dort zum Beispiel bei der Bruchversorgung (Leistenbrüche, Nabelbrüche) oder bei Notfalleingriffen (Gallenblase, Blinddarm, Dünn- und Dickdarm) zur Stelle ist, die sagenhaften Begebenheiten ihrer Kinderbuchhelden. Der eine ist Teddy B., der - erwachsen geworden - selbst eine Familie hat. Und die andere ist die kleine Maus, die ziemlich neugierig ist und wissen will, was diese Welt so alles zusammenhält. Mit Fragen tastet sich das Mäuslein voran - etwa mit der, wohin der Schneemann geht, wenn es wärmer wird.

Die Grundlage für ein weiteres querformatiges, handliches Kinderbuch war damit geschaffen. Biografisches und Autobiografisches spielen bei den Geschichten durchaus eine Rolle. So stellte die Frage nach dem Schneemann tatsächlich Sabine Hofmanns Tochter und „Inspirationsquelle“ Lara, damals vier Jahre alt, während eines Winterspaziergangs. Mittlerweile ist die Zehnjährige eher im „Backfieber“. So heißt ein weiteres Abenteuer der Maus. Selbstverständlich mit Rezepten für Plätzchen, Kekse und Kuchen. Die Anleitung zum anschließenden Putzen der Küche liegt allerdings nicht bei.  

Mut und Freundschaft sind zentrale Themen

Die Themen, die über die Kinderbücher transportiert werden, sind durchaus gewichtig, aber eben kindgerecht verpackt: Mut, Selbstbewusstsein und Freundschaft finden sich in ihnen ebenso wie Einsamkeit und Abschied nehmen. 

Die Welt mit Kinderaugen zu betrachten, hat sich Sabine Hofmann mit ihren 46 Jahren erhalten. Bereits als Schülerin hatte sie die Basis dafür gelegt. Deutsch und Kunst gehörten zu den Lieblingsfächern der Oberärztin. Davon wusste ein anderer, bedauernswerter Lehrer zu berichten. Sabines Mutter erzählte er, dass das Töchterchen überaus große Fortschritte im Fach Kunst gemacht habe. Und er setzte hinzu: „Leider unterrichte ich das Fach Geschichte.“ Dem Unterricht zu folgen, war für Sabine H. zuweilen weit weniger interessant als während dieser Zeit kunstvolle Zeichnungen anzufertigen.

Am Anfang war der Copyshop

Die Anfänge der Bücherreihe - inzwischen gibt es 30 verschiedene Ausgaben (22 Mal „Teddy B.“, fünf Mal „Die kleine Maus“ und drei weitere Abenteuer mit unterschiedlichen Protagonisten) - waren eher handwerklicher und analoger Natur. Gemalte Bilder wurden anfangs im Copyshop vervielfältigt und mit Texten verbunden. Aktuell nutzt die Kinderbuchautorin und -illustratorin ein spezielles Tablet fürs Zeichnen und ein Buchgestaltungsprogramm. 

Im Urlaub entstehen hauptsächlich die neuen Abenteuer zunächst im Kopf und dann auf dem digitalen Zeichenbrett. Die Fangemeinde hat eine große Altersbandbreite. Die reicht von Kindern, die drei und vier Jahre alt sind und noch nicht einmal lesen können bis hin zu 90-Jährigen: frühere Lehrer und Professoren von Dr. Hofmann. Just ein solcher 90-Jähriger sagte der Bauchchirurgin einmal: „Ohne Teddy B. ist Weihnachten nicht dasselbe.“ Man muss wissen: Stets vor Weihnachten erscheint Jahr für Jahr ein Band des Bären. Im aktuellen Buch begibt sich der dickfellige Held aus vermeintlicher wirtschaftlicher Not auf Schatzsuche in ein unterirdisches Höhlensystem ähnlich dem des Blautopfs. Er begegnet wundersamen Wesen, die ihm auf dem Weg zum Schatz verschiedene Aufgaben stellen, die Teddy B. lösen muss.

„Die Bücher sind zu mir gekommen“

„Ich bin nicht zu den Büchern gekommen. Die Bücher sind zu mir gekommen. Besser kann ich das nicht beschreiben“, versucht Sabine Hofmann ihre anhaltende Leidenschaft zu erklären, warum sie sich schon so lange Geschichten ausdenkt und diese dann weiterentwickelt, schließlich schreibt und zeichnet. Bislang habe sie nur wenige „halbherzige Versuche“ unternommen, jenseits ihres Bekannten- und Kollegenkreises neue Freundinnen und Freunde für die kleine Maus und den Teddybären zu gewinnen. Ohne persönliche Verbindungen sei es ohnehin schwierig, bei Verlagen Gehör zu finden, da gefühlt jeder Dritte sich als Kinderbuchautor versucht und die Buchverlage mit solchen Werken zugeschüttet würden. Da geht schon einmal der Blick für Talente verloren, die es wirklich können.    

Ein finanzieller Hintergrund, dieses Engagement nun zu forcieren, besteht nicht. „Mir geht es um Abenteuer und die Fantasie von Kindern anzuregen. Wie schön ist es doch, mithilfe eines Buches die eigene Welt aufzubauen anstatt ständig an Videos auf Tiktok zu kleben.“

Wunderbare Augenblicke 

Zahlreiche Rückmeldungen zeigen Dr. Hofmann, dass ihre Geschichten etwas Besonderes sind. So schickte ihr eine OP-Schwester ein Video, welches deren Tochter zeigt, wie sie auf dem Rücken liegt und in einem Kinderbuch der Autorin blättert. Lesen konnte die Kleine damals noch nicht, aber sprechen. Und so stimulierten die Zeichnungen das Mädchen derart, dass es eine Geschichte zu den Bildern erfand und drauflos brabbelte. 

Und wie wunderbar war jener Augenblick, als Sabine Hofmann unbemerkt von den eigenen Kindern nach Hause kam. Sie selbst bekam aber mit, dass der ältere Sohn der jüngeren Tochter aus einem ihrer Bücher vorlas. Ein Gänsehautmoment. 

Schließlich ist da noch eine Freundin - eine Erzieherin, die ihr einmal erzählte, dass sich ein Buch Hofmanns so großer Beliebtheit erfreut, dass es in der Kita immer wieder aus dem Schrank geholt und aus ihm vorgelesen wird. Dabei ist die Konkurrenz unter Kinderbüchern groß.

Das alles motiviert Dr. Sabine Hofmann ungemein. „Solange Kinder meine Bücher lesen, werde ich welche machen“, sagt sie.  

Hier kann man bestellen oder gleich kaufen 

Wer ein Buch bestellen will, kann sich direkt an die Klinikärztin und Autorin unter der E-Mail-Adresse blumenwiese@unzerteilbar.de wenden. 

Drei Bände („Teddy B.: Abgetaucht“, „Die kleine Maus zugemüllt“ und „Ein Licht in der Nacht“) sind für jeweils 9,90 Euro auch in der Günzburger Buchhandlung Hutter erhältlich. Eine größere Auswahl wird es dort dann im neuen Jahr geben. 

 

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